Donnerstag, 11.05.2017

Dr. Nicole Sellhast ist Notärztin beim BVB

Unsere Oberärztin der Unfallchirurgie, Dr. Nicole Sellhast, übernimmt regelmäßig eherenamtlich Rettungsdienste im "Signal-Iduna-Park", dem Stadion des BVB. Dr. Sellhast ist einerseits Medizinerin, andererseits BVB-Fan. Und beim DRK-Kreisverband Dortmund e.V. kann die Oberärztin beide Leidenschaften vereinen.

Dr. Nicole Sellhast schaut das Spiel im Dortmunder Stadion von der Tribüne aus. Dabei geht sie nie weit weg vom Sanitätsraum, um im Notfall sofort da zu sein. Im Hintergrund ist die Südtribüne, die "gelbe Wand", zu sehen.

Wann immer sie gebraucht wird, wechselt Dr. Nicole Sellhast ihr Fan-Trikot gegen Einsatzjacke und Notfallkoffer. Dann sitzt sie nicht auf ihrem Dauerkarten-Platz auf der Westtribüne, sondern kümmert sich als Notärztin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) um die medizinischen Notfälle im Signal-Iduna-Park, dem Heimstadion des BVB in Dortmund – so auch am Samstag, 6. Mai,  beim Bundesliga-Spiel gegen Hoffenheim.

 

Schon zwei Stunden vor dem Anpfiff steht sie am Spielfeldrand, die Südtribüne im Rücken. Der Blick nach oben sorgt für Gänsehaut. Fast 25.000 Menschen stehen auf den beinahe senkrechten Rängen. Die „gelbe Wand“ singt sich warm. Von unten wirkt die Tribüne so steil, als könnten die Fans jeden Moment runterpurzeln.

Dr. Nicole Sellhast ist einerseits Medizinerin, andererseits BVB-Fan. Und beim DRK-Kreisverband Dortmund e.V. kann die Oberärztin beide Leidenschaften vereinen. Seit mehreren Jahren schon übernimmt sie den Rettungsdienst als Notärztin im Stadion. „Es macht mir Spaß, und ich kann es einfach nicht lassen“, erklärt die Bochumerin mit einem Schmunzeln im Gesicht. Wenn „ihre“ Borussen auf dem Rasen im Dortmunder Stadion um den Sieg kämpfen, ist die 42-Jährige stets dabei. Und wenn nicht als Notärztin, dann auf ihrem Dauerkarten-Platz auf der Westtribüne. Das Ticket trägt sie immer bei sich – als Tattoo auf dem Oberarm.

Zwei Stunden vor Spielbeginn beziehen die DRK-Einsatzkräfte Stellung im „Signal Iduna Park“. Beim ausverkauften Bundesliga-Spiel gegen Hoffenheim fiebern 81 360 potenzielle Patienten mit. Dr. Nicole Sellhast bleibt jedoch gelassen. Mit Notfallsanitäter Daniel Witt und Rettungssanitäter Nino Rosato ist sie für die Südtribüne eingeteilt. Wichtig zu betonten ist ihr: „Wir alle sind zu allen Patienten gleich, ich mache da keine Unterschiede.“

Gut eine Stunde vor Anstoß kommt der erste Hilfesuchende in den Sanitätsraum unter der Südtribüne. „Ich habe so starke Zahnschmerzen. Könnte ich eine Schmerztablette bekommen?“, bittet der junge Mann. Na klar.

Während des Spiels ist die Notärztin im Stadion. Ein Auge hat sie stets auf das Spielfeld, eines auf die Tribüne gerichtet. Tor! Beim 1:0 durch Marco Reus nach nur vier Minuten Spielzeit jubelt Dr. Nicole Sellhast leise mit. Die erste Halbzeit bleibt ruhig. In der Pause sieht das DRK-Team bei den Kollegen im Sanitätsraum nach dem Rechten. „Nicole, Atemnot!“, ruft Nino Rosato plötzlich seiner Kollegin zu. Der Einsatz kam per Funkgerät. Sofort sprinten die drei los zum nächsten Sanitätsraum. Dort die Entwarnung: Ein Asthma-Patient hatte sein Spray vergessen. Sellhast hilft aus, der junge Mann kann wieder gehen.

Das Spiel verpassen will natürlich keiner der Zuschauer – auch nicht die, die sich besser im Krankenhaus behandeln lassen sollten. „Wer selbst entscheiden kann, entscheidet sich, hier zu bleiben, um das Spiel zu Ende zu sehen“, erzählt die Ärztin. Für Dr. Nicole Sellhast ist das keine Option. Wenn ein Einsatz ruft, ist das Geschehen auf dem Spielfeld zweitrangig.

Die Fälle seien im Stadion genauso vielfältig wie im Krankenhaus. Trotzdem seien es vor allem medizinische Kleinigkeiten, die sie behandelt: „Meistens kümmern wir uns um alkoholisierte Patienten, Leute mit Kreislaufbeschwerden, Krampfanfällen oder kleinen Wunden.“ Diesmal blieb es besonders ruhig. Erst kurz nach dem 2:0 durch Aubameyang kommt der zweite Einsatz über Funk: Einer Frau gehe es zunehmend schlechter. „Nur“ Kreislauf. Kein Fall für die Notärztin. Die Sanitäter übernehmen. Am Ende gewinnt die Borussia 2:1. Doppelter Grund zur Freude für die Notärztin: ein Sieg für den BVB und keine ernsthaft Verletzten.

Hintergrundinformationen

Dr. Nicole Sellhast ist seit Januar 2017 als Oberärztin der Unfallchirurgie im Elisabeth-Krankenhaus tätig. Die 42-jährige Bochumerin ist Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie sowie Notfallmedizin. Der Verein Deutsches Rotes Kreuz (DRK) ist bei jedem Spiel im Signal-Iduna-Park vor Ort. 123 Rot-Kreuz-Helfer sind dann für die sanitätsdienstliche Versorgung und den Rettungsdienst im Einsatz, darunter fünf Notärzte. Neben dem DRK ist auch die Unfallhilfe der Johanniter dabei. 81.360 Zuschauer passen bei Bundesligaspielen in Deutschlands größtes Stadion. 24.454 Plätze gibt es auf der Südtribüne, der größten Stehtribüne Europas.