Donnerstag, 14.02.2008

Integrierte Versorgung beim Hüft- und Kniegelenkersatz (Endoprothetik) erstmalig bundesweit evaluiert: Münster weit vorn.

Die Strukturen funktionieren besser, die Kosten im Gesundheitswesen sinken und die Menschen fühlen sich besser betreut. Bestätigt werden diese positiven Ergebnisse der Integrierten Versorgung im Bereich der Endoprothetik in der Region Münster durch die bundesweit erste wissenschaftliche Evaluation eines Integrierten Versorgungsvertrags durch das Institut für Strategieentwicklung an der Universität Witten/Herdecke.

Stefany Creuzburg, Case Managerin, Dr. med. Ulrich Simon, Chefarzt der Orthopädischen Klinik I, Burkhard Nolte, Geschäftsführer des St. Franziskus-Hospitals Münster, Dr. med. Cornelius Müller-Rensmann, niedergelassener Facharzt für Orthopädie sowie Wolfgang K. Hoever vom Vorstand der inoges ag (v.l.n.r.) präsentieren das Projekt Integrierte Versorgung Endoprothetik Münster als Referenzprojekt für das Deutsche Gesundheitswesen.

Im Mittelpunkt der Integrierten Versorgung stehen deutlich verbesserte Abstimmungsprozesse zwischen den medizinischen Versorgungsbereichen niedergelassener Facharzt, Krankenhaus, Rehabilitation, ambulante Nachsorge. Mit dieser ambitionierten Zielsetzung schlossen 2004 das St. Franziskus-Hospital Münster und der IV-Spezialist inoges ag gemeinsam mit der Barmer Ersatzkasse den bundesweit ersten und zwischenzeitlich größten deutschen Integrierten Versorgungsvertrag von Patienten mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken. Inzwischen haben sich zusätzlich Deutsche Angestelltenkrankenkasse (DAK), Techniker Krankenkasse (TK), 40 niedergelassene Fachärzte, sieben Krankenhäuser, fünf stationäre Rehabilitationskliniken, fünf ambulante Rehabilitationszentren, zehn Physiotherapiepraxen und rund 1.500 Patienten angeschlossen.

„Die evaluierten Ergebnisse sind für uns richtungsweisend“, erklärt Burkhard Nolte, Geschäftsführer des St. Franziskus-Hospitals Münster. „Sie belegen eindeutig, dass die Integrierte Versorgung die Erprobungsphase bestens bestanden hat und sich zu einem zukunftsweisenden Modell für alle Beteiligten entwickelt.“ 90% der befragten Patienten würden demnach ihren Familienangehörigen oder Freunden eine Teilnahme an der Integrierten Versorgung empfehlen.

„Das für uns maßgebliche Ergebnis der Studie ist die Zufriedenheit der Patienten“, betont Wolfgang K. Hoever, Vorstand der inoges ag. Seine Beobachtung: „Die abgestimmten Behandlungsabläufe werden vom Patienten absolut positiv wahrgenommen.“ Besonders bewährt hat sich dabei das speziell in diesem IV-Projekt eingesetzte Case-Management. Dabei steht den Patienten während der kompletten Behandlungsdauer ein persönlicher Ansprechpartner zur Seite, informiert ihn und übernimmt – eng mit dem Patienten abgestimmt – die komplette Koordination des Behandlungsprozesses.

„Darüber hinaus werden Informationen zwischen den beteiligten Ärzten, sowohl im niedergelassenen Bereich als auch im Krankenhaus, frühzeitig und strukturiert ausgetauscht und damit teure Doppeluntersuchungen vermieden“, so Dr. med. Cornelius Müller-Rensmann, niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Bezirksobmann des Berufsverbandes der Orthopäden und Unfallchirurgen.

IV Patienten deutlich zufriedener

Das Institut für Strategieentwicklung an der Universität Witten/Herdecke befragte insgesamt 234 Patienten, die im Rahmen des IV-Projektes, sowie 400 Patienten, die in vergleichbaren Krankenhäusern, allerdings im Rahmen der Regelversorgung endoprothetisch versorgt wurden. Während Patienten in der Regelversorgung 14,8 Tage im Krankenhaus verbrachten, waren es bei IV-Patienten nur 13,6 Tage – also 1,2 Tage weniger.

Deutlich besser beurteilten die IV-Teilnehmer ihren Krankenhausaufenthalt. 84 Prozent der IV-Patienten erlebten ihren Klinikaufenthalt als gut. In den Vergleichskrankenhäusern waren es nur 62,9 Prozent. Ein ähnlich gutes Resultat gab es für die anschließende Rehabilitation. Bei IV-Patienten konnte die Maßnahme um 1,7 Tage verkürzt werden. Der Gesamteindruck war bei 81,8 Prozent der befragten IV-Patienten gut. Dieses Fazit zogen dagegen nur 65 Prozent der Patienten der Regelversorgung. Auch die ambulante Rehabilitation konnte in der IV-Versorgung um 2,7 Tage verkürzt werden.

Im St. Franziskus-Hospital haben 2007 insgesamt 265 von insgesamt knapp 1.000 Patienten über den Integrierten Versorgungsvertrag einen Hüft- oder Kniegelenkersatz erhalten; im Kalenderjahr 2006 waren es noch 190. „ Als Leistungserbringer richten wir uns natürlich gerne nach den Bedürfnissen des Patienten. Der Integrierte Versorgungsvertrag ermöglicht uns diesbezüglich eine Flexibilisierung der Behandlung“, so Dr. Ulrich Simon, Chefarzt der Klinik für Orthopädie I im St. Franziskus-Hospital Münster.

Nach vierjähriger Erfahrung sind sich alle einig: Das Projekt Integrierte Versorgung Endoprothetik Münster ist ein Referenzprojekt für das Deutsche Gesundheitswesen. Es ist ein Best-Practise-Beispiel für alle anderen integrierten Versorgungsmodelle.