Als er 1996 seine Stelle im Elisabeth Krankenhaus antrat, war er gerade einmal 35 Jahre alt – und damit der jüngste Arzt der gesamten Abteilung, die er fortan leitete. Eine besondere Ausgangslage, wie er rückblickend sagt. „Chef zu sein, während viele Kolleginnen und Kollegen älter waren, war nicht einfach. Man muss auf der Sachebene überzeugen – und gleichzeitig ein gutes Gespür dafür haben, die Menschen mitzunehmen.“
Aufgewachsen in Neuss und ausgebildet in Düsseldorf, führte ihn sein beruflicher Weg zunächst über Stationen in Recklinghausen, Herne, Dortmund und Essen. Die Entscheidung für das Elisabeth Krankenhaus fiel, als sich die Chefarztstelle „vor der eigenen Haustür“ auftat. Trotz weiterer Anfragen blieb er dem Haus über all die Jahre treu. „Wir haben hier eine herzliche und freundliche Atmosphäre – über alle Abteilungen und Berufsgruppen hinweg. Das ist viel Lebensqualität“, sagt er. Die geringe Fluktuation und die vielen langjährigen Kolleginnen und Kollegen hätten ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen lassen. „Man baut hier gemeinsam etwas auf.“
Im Laufe der Jahre hat sich Dr. Günnewig weit über das Krankenhaus hinaus einen Namen gemacht. Besonders bei Patientenveranstaltungen wurde sein offenes, lockeres und zugleich fachlich fundiertes Auftreten geschätzt. Medizin verständlich zu erklären, Ängste ernst zu nehmen und Menschen auf Augenhöhe zu begegnen – das war für ihn immer ein zentraler Bestandteil ärztlicher Arbeit. 20 Jahre hat er zum Kongressforum „Aktuelle Neurologie und Neurogeriatrie“ ins Ruhrfestspielhaus eingeladen – eine überregionale Fortbildungsveranstaltung im Gesundheitswesen. Zwei Fachbücher zur Neurogeriatrie hat er zudem veröffentlicht.
Die Medizin selbst habe sich in den vergangenen 30 Jahren grundlegend verändert, sagt der scheidende Chefarzt. „Das Tempo ist deutlich höher geworden, die Technik hat stark zugenommen, ebenso die diagnostischen Möglichkeiten.“ Gleichzeitig sei Medizin durch das Internet transparenter – und damit auch hinterfragbarer – geworden. „Nicht selten kommen Patienten mit Fehlinformationen. Das bedeutet mehr Gesprächs- und Aufklärungsarbeit.“
Nun blickt Dr. Günnewig mit Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. Mehr Zeit für Familie und Freunde steht ganz oben auf der Liste – insbesondere für sein acht Monate altes Enkelkind in Berlin. Darüber hinaus widmet er sich dem Schreiben: Der zweite Kriminalroman mit Co-Autor Wolfgang Kleideiter ist bereits in Arbeit. Ganz loslassen wird er dennoch nicht. Als Geschäftsführer im Kunstverein und Schirmherr der Alzheimer Gesellschaft bleibt er weiterhin engagiert. Und auch auf dem Golfplatz möchte er sein Handicap noch verbessern.
Was ihm fehlen wird? „Die menschlichen Begegnungen“, sagt er ohne Zögern. Begegnungen, die seinen Berufsalltag über viele Jahre geprägt haben. Sein persönlicher Rat, um im Alter fit zu bleiben, fällt deshalb ebenso klar wie bodenständig aus: „Jeden Tag eine halbe Stunde gehen. Das senkt das Risiko für Demenz, Schlaganfall, Herzinfarkt, Depressionen und Stürze. Und: nicht rauchen.“
Die Leitung der Abteilung für Geriatrie/Neurologie übernimmt Anfang Februar Dr. med. Anja Klasing.




