Zentraler Aufhänger am Auftaktstag waren die aktuell auf Bundesebene geplanten GKV-Sparmaßnahmen. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, richtete einen dringenden Appell an die Bundesregierung: „Mit diesem Kürzungsgesetz entziehen Sie den Krankenhäusern die Existenzgrundlage. Kehren Sie um und lassen Sie uns über Maßnahmen zur Effizienzsteigerung reden, die allen zugutekommen. Die flächendeckende und qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung darf nicht gefährdet werden. Und übernehmen Sie auch dort Verantwortung, wo Sie selbst als Bund bei der fairen Refinanzierung der Bürgergeldbezieher in der Pflicht stehen.“
Prof. Dr. Gregor Thüsing, Mitglied der Finanzkommission Gesundheit der Bundesgesundheitsministerin, betonte: „Alle sind sich einig: Es braucht mutige gesetzliche Schritte zur Verhinderung eines ungebremsten Beitragsanstiegs in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Das kann nur gelingen, wenn alle Bereiche dazu beitragen. Die Finanzkommission Gesundheit hat sozial ausgewogene Vorschläge gemacht. Die Politik hat die meisten davon aufgegriffen. Der Aufschlag darf im Gesetzgebungsprozess nicht zerredet werden. Systemverantwortung muss vor Klientelpolitik gehen!“
Blick auf die Landeskrankenhausplanungen – NRW eine gute Blaupause?
Das Land Nordrhein-Westfalen hat mit der Entwicklung und Durchführung der Krankenhausplanung Pionierarbeit geleistet. Zum 01. Januar 2026 ist die Krankenhausplanung vollständig umgesetzt. Moderator Dr. Nils Brüggemann diskutierten mit den Teilnehmenden, ob der Ansatz vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherungen ausreichend ist und welche Verbesserungsansätze sich aus den Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen ableiten lassen. Die Landeskrankenhausplanung wurde als mögliches Vorbild für andere Bundesländer betrachtet, wobei insbesondere die Flexibilität und die regionale Vernetzung als Stärken hervorgehoben wurden.
Wie die Bundesgesundheitsreform die Gesundheitsversorgung verändert
Die Bundesgesundheitsreform hat unmittelbare Auswirkungen auf die Krankenhausversorgung. Die Konsequenzen für Krankenhausträger – sowohl in städtischen Ballungsgebieten als auch in ländlichen Flächenregionen – wurden intensiv diskutiert. Die Perspektive der Krankenkassen, insbesondere hinsichtlich Kosten und Qualität der Versorgung, wurde ebenfalls einbezogen.
Zivilschutz und Verteidigungsfähigkeit – was bedeutet das für die Krankenhäuser?
Angesichts einer zunehmend realen Kriegsbedrohung gewinnen der Zivilschutz und die Verteidigungsfähigkeit im Gesundheitswesen an Bedeutung. Das Panel beleuchtete, welche Anforderungen Bundeswehr, Länder und Politik im Verteidigungsfall an Krankenhäuser stellen und welche organisatorischen und strukturellen Vorbereitungen bereits heute erforderlich sind. Am Beispiel der Experimentierklausel des Landes Schleswig-Holstein wurde ein konkretes Neubauvorhaben eines krisenresilienten Krankenhauses in Husum vorgestellt. Wie Krankenhäuser sich auf Krisenszenarien vorbereiten und welche Rolle dabei Kooperationen mit Behörden und anderen Einrichtungen spielen, wurde anschließend auch von den Teilnehmenden lebendig diskutiert.
KHAG – durch bessere Kooperation von Einrichtungen zur verstärkten Ambulantisierung?
Mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) soll die Krankenhausreform zügig umgesetzt werden. Ziel sind eine stärkere Ambulantisierung sowie kooperative Strukturen zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten zur Sicherung von Leistungsgruppen. Moderiert von Prof. Peter Wigge wurden die erwarteten kurz-, mittel- und langfristigen Effekte von KHVVG und KHAG diskutiert und dann erörtert, ob damit Konzentration, bessere Arbeitsteilung, Kooperation und ein Ausstieg aus der stationären Mengendynamik erreicht werden können. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Ambulantisierung ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Krankenhausversorgung ist.
Best Practice Post Merger
Die wirtschaftlich angespannte Lage der Krankenhäuser sowie die anstehenden Landeskrankenhausplanungen treiben Fusions- und Verbundbestrebungen in Deutschland voran. Das Panel unter Moderatio von Dr. Christian Heitmann beleuchtete, was einen Krankenhausverbund erfolgreich macht und wie der Post-Merger-Prozess gestaltet werden sollte. Die Diskussion zeigte, dass klare Zielsetzungen, transparente Kommunikation und die Einbindung aller Beteiligten entscheidend für den Erfolg von Fusionen und Verbünden sind.
Seit mehr als zehn Jahren ist der Kongress „Gesundheitswirtschaft managen“ in Münster eine etablierte Plattform zum überregionalen Austausch über aktuelle Themen im Krankenhaussektor in Nordrhein-Westfalen und bundesweit. Die Veranstalter Dr. Nils Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der Franziskus Stiftung, Prof. Peter Wigge, Fachanwalt für Medizinrecht und Dr. Christian Heitmann, Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Unternehmensberatung bei Curacon, präsentierten den Managementkongress erneut mit ihrer Branchenexpertise und sorgten für einen lebendigen Austausch zwischen den Teilnehmenden.
Informationen zum Managementkongress „Gesundheitswirtschaft managen“ finden Sie unter www.gesundheitswirtschaft-managen.de. Der nächste Kongress-Termin: 19. und 20. Mai 2027 in Münster.
Bildunterschrift (Fotonachweis: „Gesundheitswirtschaft managen“):
Die Kongressleitung und die Hauptredner beim Kongress „Gesundheitswirtschaft managen“ in Münster (von links): Prof. Dr. Peter Wigge, Prof. Dr. Gregor Thüsing, Dr. Gerald Gaß, Dr. Nils Brüggemann und Dr. Christian Heitmann.
Informationen zu den drei Partnern in der Kongressleitung:
Die St. Franziskus-Stiftung Münster zählt zu den größten konfessionellen Krankenhausgruppen Deutschlands. Die Stiftung trägt Verantwortung für derzeit 18 Krankenhäuser sowie zehn Behinderten- und Senioreneinrichtungen in den Ländern Nordrhein-Westfalen und Bremen. Zuletzt hat die Franziskus Stiftung per Juli 2025 die Mehrheitsanteile an der Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf GmbH (VKKD) übernommen. Zudem hält sie Beteiligungen u.a. an ambulanten Rehabilitationszentren, Pflegediensten und Hospizen. In den Einrichtungen der Franziskus Stiftung werden jährlich über 720.000 Menschen stationär und ambulant behandelt, in den Langzeiteinrichtungen etwa 1.000 Menschen betreut. Rund 19.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für kranke, behinderte und alte Menschen. Der Vorstand besteht aus Dr. rer. pol. Nils Brüggemann (Vorsitzender), Dr. rer. pol. Christian Frank und Dr. med. Ulrich Knopp.
Curacon ist eine bundesweit tätige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Spezialisierung auf die Prüfung und Beratung von Einrichtungen in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft – mit Hauptsitz in Münster. Mehr als 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 14 Standorten betreuen über 2.500 Mandanten. Das Leistungsportfolio der Curacon Unternehmensgruppe umfasst die Bereiche Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung sowie Steuer- und Rechtsberatung. Seit über 85 Jahren führt Curacon erfolgreich Prüfungs- und Beratungsaufgaben durch und gehört heute zu den 20 größten und den Top 10 leistungsstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland.
Rechtsanwälte Wigge ist eine seit 25 Jahren auf das Medizin- und Gesundheitsrecht spezialisierte, bundesweit tätige Rechtsanwaltskanzlei mit Standorten in Münster und Hamburg. Die Kanzlei berät Arztpraxen, Krankenhäuser, andere Leistungsanbieter und Managementgesellschaften, insbesondere bei der Umsetzung sektorenübergreifender Kooperationen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Transaktionsgeschäft von MVZ-Trägergesellschaften mit Krankenhäusern und Ärzten. Neben den rein regulatorischen Fragen berät die Kanzlei dabei insbesondere in den Bereichen des Gesellschaftsrechts und des Arbeitsrechts. Das JUVE-Handbuch bewertet die Kanzlei wie folgt: „Die auf das Medizinrecht spezialisierte Kanzlei gehört zu den Einheiten mit der längsten Tradition und überzeugt mit ihrer langjährigen Erfahrung. Im Sozialrecht, bei Kooperationen und MVZ-Deals ist das Team sehr erfahren.“ Weitere Informationen finden Sie unter www.ra-wigge.de




