Mittwoch, 28.01.2026

Vom OP auf die e-"Harley": Chefarzt Dr. Pillny hängt im Ruhestand die Gefäßchirurgie nicht ganz an den Nagel

Dieser eine alles entscheidende Moment liegt Jahrzehnte zurück, doch er ist bis heute präsent. Ein 16-Jähriger sitzt vor dem Fernseher und sieht den Film „MASH“ – die Geschichte eines Chirurgenteams im Korea-Krieg. Es ist die Atmosphäre im OP, die ihn sofort fesselt. „Von da an stand für mich fest: Ich werde Chirurg.“ Ein Satz, der für Dr. med. Michael Pillny zum Leitmotiv eines gesamten Berufslebens werden sollte.

Heute, viele Jahre später, verabschiedet sich Pillny als Chefarzt der Gefäßchirurgie am Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen in den Ruhestand. Was ihm fehlen wird, sagt er ohne Zögern, ist genau das, was ihn damals schon fasziniert hat: das Handwerk des Operierens. „Der OP“, sagt er, „das ist etwas Besonderes.“

Als Dr. Pillny 2007 ans Elisabeth Krankenhaus kam, gab es die Gefäßchirurgie noch nicht als eigenständige Abteilung. Sie war Teil der allgemeinen Chirurgie. Gemeinsam mit seinem Team baute er die Abteilung von Grund auf auf, etablierte eine eigene Gefäßambulanz und machte die Gefäßchirurgie in Recklinghausen sichtbar. Eine lange Aufbauphase war nicht nötig. Der Bedarf war da – und der Zuspruch groß. Auch über die Stadtgrenzen hinaus. Patientinnen und Patienten kamen aus der Region, aus Düsseldorf, Gescher und sogar aus Thüringen. Auch Sportprofis vertrauten auf seine Expertise.

Gefäßchirurgie, das wurde in all den Jahren deutlich, ist Teamarbeit. „Gefäßpatienten gehören zu den am schwersten erkrankten Patienten“, sagt Pillny. Viele Krankheitsbilder und Risikofaktoren treffen zusammen, die Behandlung ist komplex und aufwendig. Umso wichtiger sei die enge, abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Ein Ansatz, der sich auch im zertifizierten Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) widerspiegelt, das Pillny maßgeblich mit aufgebaut hat. Hier arbeiten Gefäßchirurgie und Kardiologie eng mit der Geriatrie/Neurologie und der Radiologie zusammen – mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu betrachten und zu behandeln.

Der Bedarf an gefäßchirurgischer Versorgung wächst weiter, beobachtet Pillny. „Die Zahl der Betroffenen nimmt zu.“ Besonders die sogenannten Babyboomer machten sich bemerkbar – ein Lebensstil mit wenig Bewegung, falscher Ernährung und vor allem Nikotin zeige Folgen. „Die Patienten werden jünger, Krankheitsbilder treten früher und häufiger auf. Rauchen ist Gift für den Körper“, sagt er klar.

Sein Arbeitsalltag spielte sich nicht nur im OP ab, sondern auch in der Ambulanz – mit einer konstant hohen Zahl an Patientinnen und Patienten. Während der Corona-Pandemie führte er zusätzlich eine Videosprechstunde ein, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Gefäßchirurgie bedeutet oft schnelles Handeln, rasche Entscheidungen. Und nicht immer lässt sich das gesetzte Ziel erreichen. „Wenn die Natur stärker ist, nimmt einen das mit“, sagt Pillny. Umso präsenter blieben die Fälle, bei denen kleine medizinische „Wunder“ gelungen seien.

Wie schwer fällt es ihm, seine Abteilung – sein „Baby“ – in andere Hände zu geben? „Gar nicht“, sagt er. Die Nachfolge von Dr. med. Denise Özdemir-van Brunschot, die zum 1. Januar die Leitung übernommen hat, hat er aktiv mit begleitet. „Ich weiß, wie gut sie ausgebildet wurde. Ich habe vollstes Vertrauen. Sie wird die Abteilung auf ihre Art weiterführen.“ Pillny geht beruhigt – auch, weil er weiß, dass die Gefäßchirurgie im Elisabeth Krankenhaus gut aufgestellt ist.

Ganz zur Ruhe setzt er sich dennoch nicht. Für die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung (DGFW) wird er ein NRW-weites Projekt begleiten. Im Mittelpunkt steht eine Studie zur KI-gestützten Wundheilung: Woher kommen chronische Wunden, und welche Therapie ist am erfolgversprechendsten? Pillny wird dafür Patientinnen und Patienten in ganz NRW besuchen, Daten erheben und die Entwicklung intelligenter, leitlinienbasierter Therapieempfehlungen unterstützen.

Daneben rückt das Private stärker in den Fokus. Zeit mit seiner Frau, Reisen – die Wunschliste ist lang. London steht bereits fest. „Ich bin oft über Heathrow geflogen, aber habe die Stadt selbst nie gesehen.“ Auch die neuen e-Motorräder sollen häufiger zum Einsatz kommen. „Sieht aus wie eine Harley, ist aber keine.“ Und schließlich die Musik: Als Kontrabassist, vor allem im Jazz, möchte er diesem Teil seines Lebens wieder mehr Raum geben.

Was bleibt, ist ein Haus, dem er seit Jahrzehnten verbunden ist. „Den Spirit hier schätze ich sehr“, sagt Pillny. „Zusammenhalt, Miteinander, eine Kultur, in der Konflikte gelöst und nicht aufgebauscht werden.“

Zum Abschied gibt er einen Rat mit auf den Weg – schlicht, aber wirkungsvoll:
„Das Wichtigste für gesunde Gefäße ist Bewegung. Solange man sich bewegt, verhindert man vieles.“